Jugoslawien baute Tausende solcher Denkmäler. Zu den meisten kommt heute niemand mehr.
Kein Soldat auf einem Pferd, kein Gesicht, kein Name eines Generals. Stattdessen Beton in Formen, für die es keine Vorbilder gibt, zwanzig Meter breit, auf Hügeln, an Flüssen, mitten im Wald. Das war Absicht. Serben, Kroaten, Bosnier, Slowenen und Mazedonier sollten sich darin gleichermaßen wiederfinden, und nach Moskau sollte es auf keinen Fall aussehen. Also wurden sie abstrakt.
Gebaut hat man sie dort, wo gekämpft und gestorben wurde. Im bosnischen Tjentište stehen zwei Betonflügel, die auseinanderklaffen und den Blick ins Tal freigeben. Darunter liegen rund dreitausend Partisanen, die 1943 die Schlacht an der Sutjeska nicht überlebten.1 Eine steinerne Blume, so hoch wie ein Wohnhaus, steht auf dem Gelände von Jasenovac, dem größten Konzentrationslager des kroatischen Ustascha-Regimes. Die Gedenkstätte dort nennt über 83.000 namentlich bekannte Opfer.2 Und zu einem Betonzylinder aus zwanzig Rippen, mitten im Wald auf der Kozara, kamen damals bis zu einer Million Besucher im Jahr.3
Dann zerfiel das Land, und seine Denkmäler wurden unbequem. Allein in Kroatien standen 1990 noch rund sechstausend davon, etwa die Hälfte ist seitdem zerstört oder verfallen.4 Manche wurden in den Kriegen der neunziger Jahre gesprengt, teils durch Einheiten der eigenen Armee. Andere wurden abmontiert und als Altmetall verkauft. Den Rest holt sich der Wald zurück.
Im Sommer bin ich mit dem Bus losgefahren, um sie zu sehen, solange sie noch stehen. Am 12. November zeige ich, was daraus geworden ist: Fotos, Geschichten und einen Film, den vorher niemand gesehen hat.